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Bereits seit Anfang der Neunziger mischte Jesse Johnson als Stuntman in den größten Hollywoodproduktionen mit und kann inzwischen auf ein beeindruckendes Portfolio zurückblicken. Als er sich vor wenigen Jahren dazu entschloss auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, konnte er schnell mit “Pit Fighter” einen ersten Achtungserfolg landen. Mit “The Last Sentinel” wird ihm nun der endgültige Durchbruch gelingen.

Jesse, wie stellte sich bei dir der Einstieg ins Filmgeschäft dar? Gab es in der Kindheit irgendwelche einschlägigen Erfahrungen oder Personen, die deinen Entschluss bekräftigten Stuntman zu werden?

Ich kam 1991 in die USA, quasi pleite, lebte in meinem Auto. Daher kaufte ich wie so viele andere den Hollywood Reporter, der Produktionen auflistet und bewarb mich bei jeder davon immer wieder, klopfte an Türen, händigte Lebensläufe aus. „Sie suchen einen Art Director, ich bin ihr Mann, ein Assistant Director, ich kann das machen.” Nach ungefähr einem Jahr als Assistant Director bei „Die Verurteilten“, „Mortal Kombat“ und „Mr. Holland's Opus” bemerkte ich, dass die Stuntleute besser bezahlt wurden und dass dieser Job weniger zeitaufwändig war, was bedeutete, dass ich meine eigenen Projekte schreiben und entwickeln konnte. Ich war ausgebildet in Martial Arts und meine Familie bestand aus Stuntleuten in UK, daher war es eine sehr direkte, einfache Entscheidung. Ich bin Actionszenen immer mit einem technischen Blick angegangen, man darf nicht übermütig oder sentimental oder sogar romantisch sein. Du musst logisch und erprobt sein, die Idee ist dich nicht selbst dabei zu verletzen. So viele Leute haben den falschen Eindruck eines Stuntman bei der Arbeit; es gibt viele extrem Waghalsige, die es versuchen, die halten üblicherweise ein Jahr oder so durch. Selbst in den klassischen Tagen des Kinos waren die Typen, welche sich im Stuntbereich behaupteten, ausgebildete Athleten, die auf ihrem Spezialgebiet Experten waren. Der Stuntman, der durchhalten will, muss weniger Ego als ein Schauspieler haben und in der Lage sein sämtliche Anerkennung an den Regisseur abzutreten, selbst wenn der gar keinen Anteil daran hatte. Diese Erfahrungen war eine große Hilfe, um zu lernen, wie man als Regisseur mit Produzenten umgeht; wenn es darum geht, den Film zu machen, geht es nur darum deinen Willen durchzusetzen und wie du Leute deinem Willen zurechtbiegst. „Last Sentinel“ war eine sensationelle Erfahrung in dieser Hinsicht, denn Bill Gottlieb, Ted Pryor, Anthony Pugliese und Don Wilson, die Produzenten des Films, haben mich in meiner künstlerischen Vision komplett unterstützt, das war eine wahnsinnig tolle Erfahrung. Sie meinten hauptsächlich, solange du alles im Rahmen von Budget und Zeitplan hälst, mach' den Film, den du machen willst. Sie hatten „Pit Fighter“ gesehen und wollten ihre eigene Version, sie gaben mir natürlich alle möglichen Vorschläge, die in den meisten Fällen großartig waren und ich folgte ihnen komplett. Der Hund war Dons Idee und ich bin so froh, dass wir ihn hatten. Das Mädchen starb ursprünglich, ihr Überleben war Anthony Puglieses Idee, und es stellte sich als sehr stimmig heraus.

Seit Anfang der Neunziger hast du an den größten Hollywood-Produktionen mitgewirkt und mit Regisseuren wie Paul Verhoeven, Renny Harlin, Tim Burton, Terrence Malick, Steven Spielberg und J.J. Abrams zusammengearbeitet. Bei wem hast du die positivsten Erfahrungen gemacht und am meisten gelernt? Welche Regisseure und Stars haben dich besonders beeindruckt?

Verhoeven war unter den Genannten mein Favorit, wenn es darum ging beim Regieführen zuzusehen; natürlich sind sie alle außergewöhnliche, schaffende Kräfte und ich beobachtete sie und lernte so viel, wie ich konnte. Ich kann nur davon träumen eines Tages auf so einer Liste zu stehen. Spielberg ist der technisch am meisten begabte und es ist einfach unglaublich ihm zuzuschauen. Es ist immer alles ruhig, alles ist im Voraus geplant, du hörst ihn nur reden, wenn Kinder da sind, die Anweisungen brauchen. In dem Fall führt er sie sehr sanft und schafft es sie komplett zu beruhigen, was, wenn du die Größe seiner Crews bedenkst, eine Riesenaufgabe an sich ist. Aber natürlich arbeitet jeder dieser Regisseure mit den besten Leuten aus jeder Abteilung und ist in der Lage sich wie ein Laser auf den vorliegenden Job zu konzentrieren. Bei „Last Sentinel“ wurde jeder Moment damit verbracht ein weiteres unerwartetes Problem oder einen Zwischenfall lösen; aus diesen „Ausrutschern“ entstehen auch einige coole Kinomomente. Aber eine Produktion mit einem Budget von weniger als einer Million Dollar zu kontrollieren ist eine ganz anderes Biest, eine Crew und einen Cast zu managen, Leute, die nur vorher noch nie eine Waffe gesehen haben, bevor sie ungefähr 50.000 Schuss Munition verschießen müssen, mehrfach 40 Gallonen Benzinbomben, Drehorte, die von ihrer architektonischen Verfassung her gefährlich waren. Und natürlich jeden Tag Stunts auf dem Drehplan. Wenn ich eines von den großen Regisseuren gelernt habe, dann dass du der glücklichste Mensch der Welt bist, wenn du Regie führst, dass du wahrlich gesegnet bist und dass du dich anstrengen musst nichts für selbstverständlich zu nehmen und jeder Teil deines Körpers arbeiten muss, um den Film so gut wie möglich zu machen. Sei bereit zu kämpfen, zu zicken, Komplimente zu verteilen, Ärsche zu küssen, zu lügen, wenn es nötig ist um den Film zu dem zu machen, von dem du denkst, dass er es verdient.

Wie waren deine Erfahrungen als Stuntman? Gab es auch Momente, in denen du mal so richtig ins Schwitzen gekommen bist oder dir ein Stunt einfach zu gefährlich war? Wie viel Verrücktheit muss ein Stuntman zum Set bringen und wann erlaubst du dem Darsteller den Stunt selbst zu machen?

95% Training, Proben, technisches Know How, 5% die Zähne zusammenbeißen und lächeln, wenn deine Herz schlägt wie ein Zweitakter. Du kannst deinen Teil der Aufgabe machen und solltest dich immer soweit es geht vorbereiten. Aber Stunts werden dir im letzten Moment aufgetragen, manchmal arbeitest du mit Effektspezialisten oder Leuten vom Art Department, die du nicht kennst oder deren du nicht gänzlich vertraust. Eine Gasexplosion wird dich durch ein Fenster jagen, wenn du zu Boden fällst. Wird die Gasbombe so groß sein, wie sie sagen, wird der Fensterbrecher explodieren oder wirst du von dem Spezialglas abprallen und in die Bombe fallen, wird die Druckwelle, die dir nach draußen folgt, eine Feuerwalze sein? Du kannst den Sturz üben, aber manchmal ist da immer noch ein unbekanntes Moment. Normalerweise habe ich das Gefühl von Adrenalin wirklich genossen und den großartigen Schlaf, den ich danach hatte. Doch als ich älter wurde, begann ich es weniger zu mögen, dass ich nach einem guten Mittagessen auf dem Boden aufschlagen würde oder einen Schauspieler dabei doubeln müsste, angeschossen zu werden, in Unterwäsche auf dem Asphalt an einem Wintertag, bei Regen. Stunts durchzuführen ist wirklich die Aufgabe junger Leute. Als Coordinator, verantwortlich für das Wohlergehen und die Sicherheit anderer, ist kein Platz für Verrücktheiten oder Wagemut.

In wie fern hat sich für dich als Stuntman der Beruf durch den zunehmenden Einsatz von CGI verändert? Glaubst du CGIs können langfristig den Beruf diesen Beruf aussterben lassen?

Nicht komplett überflüssig, es wird immer Actionleute geben. Sie kommen mit Ideen und Vorschlägen, welche den CGIs zu Authentizität verhelfen. Aber Stuntleute wie wir sie kennen, werden deutlich weniger werden und sich mehr spezialisieren. Es geht schon in diese Richtung. Ich versuche nicht sentimental zu werden, es geht darum die bestmöglichen Filme zu machen, neue Technologie anzunehmen und lernen sie bestmöglich zu nutzen. Ein gutes Wissen über Old School Tricks ist aber auch immer hilfreich, CGI nicht die Antwort auf jedes Problem.

Wie kam der Schritt vom Stunt-Koordinator / Stuntman zum Regisseur / Autor zustande? Hast du nach neuen Herausforderungen gesucht oder hattest du einfach das Gefühl, dass es Zeit war dich weiterzuentwickeln? Wer sind in dieser Hinsicht deine Vorbilder?

Ich habe immer Scripts geschrieben, ich wollte als Kind Comics schreiben. Ein Drehbuch ist näher an einem Comicbuch als einem Roman (Ich hab einen Roman geschrieben, es hat mich fast umgebracht!). Meine ersten Drehbücher waren nicht gut, beim ungefähr fünfzehnten Versuch fand ich einen Agenten. Es geht darum etwas zu schreiben, dass den Leuten beim Lesen Spaß bereitet, zuerst und vor allem; großartige Konzepte waren nie meine Stärke, aber Leute haben Spaß daran meine Scripts zu lesen, sie sagen häufig sie wären „Englishism's“. Aber ich liebe diese Ausdrucksweise, ich lese viel und habe Spaß an altmodischem US Dialogen, ich benutze oft ausgestorbenen oder in einer bestimmten Epoche benutzten Slang, weshalb Leute annehmen, dass es britisches Englisch ist. Oft ist es etwas, dass ich von Steinbeck oder Hemingway übernommen habe. Meine größten Inspirationen sind die Regisseure der späten Studiozeit, Sam Peckinpah, Sam Fuller, das waren hartgesottene Typen, Raufburschen und Glücksritter. Ich habe nahezu alles, was über Peckinpah geschrieben wurde, aber ich denke nicht, dass er ein sanfter Mann war, er wollte in einem stressigen Umfeld bestehen. Ich nicht; ich mag eine ruhige kreative Atmosphäre, ich mag es wenn mein Requisiteur Sachen vorschlägt. Ich arbeite außerdem mit einem deutlich geringeren Budget, und Gefallen sowie freundliche Akte der Großzügigkeit sind dafür verantwortlich, dass meine Filme die production values erhalten, die sie haben. Wenn ich ein echter Arsch wäre, dann gäbe es keine Kooperation. Wir hatten Tage am Set von „Last Sentinel“, an denen Matt Anderson und Luke Lafontaine, meine Stuntleute, umsonst arbeiten, damit der Film was wurde. Ich schulde den beiden jede Form von ernsthafter Anerkennung, die der Film für seine Action erhält.
Anmerkung: Englishism ist eine eigentümliche Ausdrucksweise, die in England gesprochen wird.

Du bist als Regisseur und Drehbuchautor ein Multitalent und hast dich in dieser Doppelfunktion zum ersten Mal bei „Pit Fighter“ hervorgetan. Trotz des kleinen Budgets erntete der Film viel Aufmerksamkeit. Wo lag deiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg? Änderst du dein Drehbuch am Set auch schon mal ab?

„Pit Fighter“ traf einen Nerv in der Öffentlichkeit, entweder bei der Actionfilmgemeinde oder bei der etwas anderen Indie/Edgie Fangemeinde, ich bin mir nicht sicher. Aber der Film sorgte für mehr Aufmerksamkeit als die meisten Projekte dieser Größe/Genre/Besetzung. Der Held hatte Probleme und war keine Klischeefigur, er war jemand, den wir zuvor nicht gesehen haben; der Film bot keine einfache Identifikation, was natürlich sowohl für als auch gegen mich arbeitete. Das etwas weniger aufmerksame Actionpublikum war von den Illusionen verärgert, die etwas Intellektuelleren revoltierten gegen die offene Action und Gewalt. Trotzdem habe ich es immer noch geschafft eine Menge Leute anzusprechen. Jeder Tag an einem Low Budget-Set dreht sich darum deinen sorgfältigen Plan den Kompromissen des Tages anzupassen. „Pit Fighter“ waren zwei Wochen und weniger als eine halbe Million Dollar, nichts ging nach Plan, alles in letzter Minute. Du musst darauf vorbereitet sein dein Script und dein Konzept zu ändern, gleichzeitig musst du immer noch sorgfältig abwägen, was eine gute Änderung ist und wann es wert ist dafür zu kämpfen, dass etwas nicht geändert wird. Für mich läuft es auf ein recht einfaches Konzept heraus: Würde ich Spaß daran haben es zu sehen? Hätte ich das Gefühl etwas für mein Geld geboten zu bekommen, wenn ich mit meiner Frau und Popcorn im Kino sitze? „Last Sentinel“ drehte sich um meine Vorliebe für das „Heavy Metal“ Magazin als Jugendlicher, Sci-Fi-Filme, Actionfiguren und die seltsame, nihilistische, von den Stichworten „Kalter Krieg“, „Nuklearer Krieg“ geprägte Atmosphäre, die wir bei in den Achtzigern erlebten, als wir aufwuchsen.

Mit „The Last Sentinel“ hast du mit einem verhältnismäßig kleinen Budget nun ein beeindruckendes Genrehighlight abgeliefert. Diese Dystopien haben im B-Movie-Geschäft eine lange Tradition. Welche Vorbilder haben dich zu diesem Film inspiriert?

Als ich aufwuchs, war ich besessen von den Arbeiten Ray Harryhausens, die bösen Skelette in „Jason und die Argonauten“ sind Prototypen für die Drohnen. Ich liebe „Silent Running“ und „A Boy and his Dog“ – LQ Jones war aus der Peckinpah Truppe. Ich habe immer gefühlt, dass Sci-Fi Action mehr versprach als es an der Actionfront zeigte, mit „Last Sentinel“ wollte ich das Gegenteil: Du gehst rein und erwartest wenig, und dann bist du von der schieren Kraft der Action überwältigt, hoffentlich. Eine Minigun, die 6.000 Schuss pro Minute feuert, Typen mit Gewehren, die sowohl Granaten als auch Patronen abfeuern und Zielfernrohre, die künstlicher Intelligenz besitzen. Kaliber .50 Gewehre, die Fahrzeuge und Menschen dezimieren, Hunderte von Drohnen, die existieren um die Menschheit zu vernichten. Es ist eine absolut grauenvolle Welt, die ich kreiert habe, alptraumhaft, aber eine Welt in der auch Helden existieren können. „Day of the Triffids“ hat mich als Kind immer verängstigt, viel davon ist in „Last Sentinel“. Es gibt einen biblischen Glauben, dass das Ende der Welt von einer von Menschen geschaffenen Macht herbeigeführt wird, daher hatten wir eine Gruppe Drohnen mit der Markennummer “666” versehen – aber ich fand es etwas zu offensichtlich, weshalb man es nur in einer Szene des Films leicht erkennen kann. „2001 – Odyssee im Weltraum“ war eine große Inspirationsquelle, wir haben sogar das einzelne rote Auge von HAL für das denkende Zielfernrohr kopert – ich hoffe, das stört keinen. Einen Film zu machen ist ein Grand Guignol [Theater in Frankreich, gegründet 1899. Es zeigte vor allem nachgestelle Exekutionen und grausame Szenen in wilder Mixtur, Anmerkung des Übersetzers] von Inspirationen und Ideen, ich habe versucht soviel wie möglich davon in „Last Sentinel“ unterzubringen – ich hoffe die Leute mögen es.

Don Wilson, Katee Sackhoff, Keith David, Bokeem Woodbine und Steven Bauer stellen eine sehr prominente Besetzung dar. Hattest du die Schauspieler schon bei der Entwicklung des Drehbuchs im Hinterkopf oder fügten sie sich erst schrittweise zu einem Gesamtbild zusammen? Wie stimmst du deine Darsteller auf ihre Rollen ein?

Don produzierte den Film und heuerte mich an. Ich hatte das Script am Anfang meiner Karriere geschrieben und es beiseite gelegt; Ich hatte das Gefühl, es sei perfekt für ihn, er mochte es und wird casteten die anderen Parts von da aus. Wir hatten unglaubliches Glück, die Besetzung ist fantastisch und wurde von Don angeführt, der kein übertriebenes Ego hat und so down to earth ist wie man es sich nur vorstellen kann. Ich glaube sie hatten alle eine schöne Zeit. Es war ein krachender, kalter, staubiger, gefährlicher und lauter Dreh, aber Leute rücken unter diesen Bedingungen zusammen und es wurde viel gelacht. Viele Uniformen und militärische Ausrüstung, Waffen, Messer und Panzerung, es hilft der Besetzung sich in ihre Rollen einzudenken, weniger zum Vorstellen für sie, viel Testosteron. Die Explosionen sind alle echt, du kannst nach Hause, bedeckt von schwarzem, verbranntem Kordit und Schmiere der Waffen. Es ist echt eine Erfahrung! Meine Besetzung vertraut mir meist, um Dinge so authentisch wie möglich zu machen. Ich kümmere mich viel um die Dinge, die sie tun; wenn sie das bemerken, dann arbeiten wir gut zusammen. Ich mache keine Filme um zum nächsten Film überzugehen, ich bin nicht nur für den Gehaltsscheck da. Es geht um den Moment, dann und dort, diese Szene zählen zu lassen, künstlerisch nicht unbedingt Kompromisse einzugehen.

Wo fanden eigentlich die Dreharbeiten statt? Die menschenleeren Locations strotzen ja nur so vor Atmosphäre. Die Explosionen sind beeindruckend und die Action-Choreographie ein Genuss. Wie schwierig war es denn nachträglich in der Post-Production den richtigen Ton mit den Farbfiltern zu treffen, die in meinen Augen den Film entscheidend prägen? Wie zufrieden bist du eigentlich selbst mit dem Endergebnis?

Wir waren in Los Angeles in einem alten Gebäude der Hearst Tageszeitung aus den Dreißigern, auf dem rückwärtigen Parkplatz der Universal Studios für ein paar Tage, in einer verfallenen und geschlossenen Gasraffinerie in Ojai, Ventura County nördlich von Los Angeles, für den Rest des Drehs. Es war sehr schwer Drehorte für diesen Film zu finden, wir sind buchstäblich überall hingegangen, es war so wichtig die richtigen Locations zu finden. Ojai war perfekt, aber auch sehr schwierig, da nichts dort war und ein falscher Schritt brachte dir eine Wunde mit Infektion ein. Da waren Tanks und Abfallgruben voll erbärmlich stinkender Flüssigkeiten überall. Meine armen Stuntleute. Aber es war perfekt für den Film. David Waine war mein Effekttechniker, er hat bei T3 mit mir zusammengearbeitet, und er würde mir grundsätzlich größere und bessere Wege beschreiben um jeden Effekt zu zaubern, um den ich ihn bat. Er ist unglaublich und komplett für die gelungenen Effekte verantwortlich. Matt Anderson, der Coordinator, ist ein ehemaliger Green Beret und Söldner, der auch als militärischer Berater fungierte; die Besetzung liebte ihn und er beantworte Unmengen von Fragen. Er ist so ziemlich das Gegenteil von dem was du erwarten würdest, sehr ruhig und engagiert, er würde die Schauspieler nichts machen lassen, was gefährlich wäre, egal wie sehr ich ihn bestürmte. Luke Lafontaine hat mit mir schon jahrelang gearbeitet, er hat vor kurzem erst „Beowulf“ choreographiert, der eine 250 Millionen Dollar Produktion war. Er und Don haben großartige Arbeit in der Zeit geleistet, die sie hatten und ich bin sehr froh mit dem Ergebnis.

Mit „Alien Agent“ hast du noch ein heißes Eisen im Feuer. Mark Dacascos spielt in diesem Film die Hauptrolle. Billy Zane und Dominiquie Vandenberg sind auch mit dabei. Der Film war einmal als Sequel zu „I come in Peace“ mit Dolph Lundgren und Matthias Hues geplant. Wie viel steckt davon noch in den Film und auf was kann man sich als Zuschauer freuen.

Ich war insofern ein Söldner, weil ich angeheuert wurde, um ein bestehendes Drehbuch zu inszenieren. Auch die Hauptrollen waren bereits besetzt. Ich habe die Action überarbeitet und Mark ist phantastisch in diesem Film. Ich hoffe der Film kommt gut an. Ich habe weniger Einfluss auf die Post Production dieses Films als ich es gewohnt bin. Wenn es wirklich gut läuft, habe ich vielleicht eine Lektion gelernt.

TVon „The Butcher“ weiß bisher noch kaum jemand etwas. Wieder kannst du mit einer tollen Besetzung auftrumpfen (Eric Roberts u.a. Robert Davi, Bokeem Woodbine, Geoffrey Lewis und Keith David), aber auch die Actionszenen sollen top sein. Wie weit bist du inzwischen mit dem Film und wann kann man einen ersten Teaser erwarten?

“The Butcher” befindet sich momentan in Post Production. Es ist mein bisher persönlichstes Projekt und repräsentiert eine enorme Veränderung bezüglich meiner stilistischen Unternfangen und meiner Risikobereitschaft. Ich liebe ihn und hoffe andere werden es auch. Er hat ein anderes Tempo als alles, was ich bisher versucht habe. Wenn die Story eine brennende Zündschnur wäre, repräsentiert der dritte Akt die Explosion. Eric Roberts ist so herausragend in den Film, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Ich denke er hat gemerkt, wie wichtig das Projekt für mich war und sich dann selbstlos reingehängt. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Performance. Es wird sehr interessant sein zu sehen, was Leute aus dem fertigen Film machen.

Wo liegen bei dir die privaten Filminteressen? Welche Regisseur und Darsteller siehst du besonders gern? Inwiefern kann man sich da noch etwas abgucken?

Ich sehe viele Filme. Ich sah mir teilweise “Schlacht um Algier” an als ich “Last Sentinel” gemacht habe - erblüffend genug. Ich mag viele Arbeiten der klassischen Regisseure, aber zuletzt Tony Scott, Verhoeven, Ich liebe De Palmas Arbeit bis “Black Dahlia”, David Fincher, Tarantino. Stanley Kubrick, Fellini und Peckinpah sind meine Götter. Ich mag es an einen Regisseur, wenn du seine Arbeit siehst und realisierst, dass du einen Stil oder eine Ansicht bemerkst, die individuell und interessant ist. Howard Hawks interessiert mich immer, Mel Gibson ist ein phantastischer Regisseur. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig große Regisseur brauchen, um ihren Standpunkt vorzutragen.

Angenommen du hättest die Möglichkeit dein Traumprojekt zu verwirklichen. Wie würde das aussehen und wer würde dort mitspielen?

Ich muss ungefähr 3 Jahre in ein Projekt verliebt sein, denn das Drehbuch ist sehr wichtig. Ich habe aber zwei Projekte, die sehr groß und ambitioniert sind – gerade in der Größenordnung zu “Last Sentinel”. Eines davon ist die Schlacht von “1066” - von der sich seit 20 Jahren besessen bin. Das andere ist ein mystisches Märchen aus den frühen Tagen des Vietnamkriegs. Allerdings gab es auch eine Zeit, als ich dachte, dass “Last Sentinel” zu groß war um umgesetzt zu werden. Ich denke die Vietnamstory wird zuerst kommen. Die Invasion Englands wird warten müssen.

Würdest du dem Ruf Hollywoods folgen, wenn ein Studio dich als Stunt-Koordinator für eine Großproduktion möchte oder willst du dich in Zukunft auf den Beruf des Regisseurs festlegen?

Nein, ich hatte eine guten Abgang. “Beowulf” hat einen tollen Cast, einen guten Regisseur und ein riesiges Budget. Ich muss mich 100% auf Dinge festlegen oder ich konzentriere mich nicht darauf. Du darfst kein Regisseur mit einem Plan B werden, falls es nicht funktioniert. Du musst dich einfach so vorbereiten, dass es funktioniert. Egal, was es kostet. Es ist zu schwierig so eine Position zu erreichen, wenn du nur halbherzig an den Job herangehst.

Die abschließenden Worte gehören dir. Wenn du noch etwas an deine Fans loswerden möchtest, ist dies die Gelegenheit.

Falls ich Fans habe, dann bin ich begeistert, dass jemand anders diese Geschichten mag, die auf den ersten Blick den Schein von etwas Niederem an sich haben könnten, aber sich hoffentlich, sobald meine Menge an Werken wächst, als Ganzes in etwas mehr Persönliches, Intelligentes formen. Vielen Dank für dein Interesse, André.